Published_ 08. April 2026

Jetski-Spaß am Lech

Stellen Sie sich vor, Sie Schaufenster-bummeln gemütlich in Augsburg. In der Hand ein leckeres Eis, im Kopf vielleicht noch ein kleines bisschen im Job. Sie erwarten das Übliche: Schaufensterpuppen in Pastelltönen. Eine Kaffeeröster mit Bohne im Logo, Straßencafés.

Doch dann: Vollbremsung.

Zwischen feinem Zwirn und Seidenschals parkt er. Ein gebrauchter Jetski. Mitten in Augsburg. Im „Regardez Vintage“ (https://www.regardezvintage.de) funktioniert so manches anders als in normalen Geschäften: hier wird coole gebrauchte Klamotte gehandelt, dazu Waren von lokalen und regionalen Modedesignern, hippe Accessoires, witzige Postkarten. Doch das toppt selbst für dieses unkonventionelle Geschäft alles.

Ein Schaufenster, in dem ein Jetski angeboten wird

Mein erster Gedanke? „Respekt. Da hat wohl jemand das Konzept ‚Dress for the job you want‘ extrem konsequent zu Ende gedacht.“ Offenbar bereitet man sich in Augsburg diskret auf den Tag vor, an dem der Lech zur Hochgeschwindigkeitsstrecke für Wassersport-Fans ausgebaut wird – oder die Stadtplanung hat heimlich eine Verbindung zur Adria gegraben, von der wir noch nichts wissen.

Doch während wir noch überlegen, wer zum Henker sich wohl beim Bummeln mal eben einen Jetski kaufen würde, hat dieses Schaufenster eines bereits geschafft: Es hat unsere Aufmerksamkeit. In einer Welt voller Standard-Content ist dieser Jetski ein echter „Pattern Interrupt“.

Was nützt die Liebe in Gedanken?

Alle Jubeljahre erlebt man so ein U-Boot, und ich frage mich regelmäßig, warum das nicht viel öfter versucht wird. Klar, gerade in 1a-Lagen haben Lieferanten ein gewichtiges Wörtchen mitzureden bei der Ausgestaltung des Point of Sale. Und als Geschäftsführer braucht es auch viel Mut, sich so gewagt zu positionieren.

Aber gerade heute, wo ich nur einen Prompt davon entfernt bin, mehr als nur einen Pattern Interrupt generieren lassen zu können, muss ich nicht mal mehr selbst ein kreativer Utopist sein, und schon habe ich fünf, zehn oder 30 solche visuellen Magnete, die ich als besonderes Schmankerl neben den regulär bestückten Schaufenstern platzieren kann.

Was das mit Ihrer nächsten Stellenanzeige zu tun hat?

Mehr als Sie denken.

Denn genau dasselbe Prinzip gilt für Employer Branding – und wird mit fast derselben Regelmäßigkeit ignoriert. Jobanzeigen sehen aus wie Jobanzeigen. Karriereseiten sehen aus wie Karriereseiten. “Wir bieten: flache Hierarchien, moderne Arbeitsplätze, ein tolles Team.” Pastelltöne. Schaufensterpuppen. Bekannt. Sicher. Unsichtbar.

Ihr nächster Performance-Marketing-Spezialist – der wirklich gute, der, der Ihre Conversion-Rates verdoppeln soll – scrollt täglich an Dutzenden dieser Anzeigen vorbei. Keine Vollbremsung. Kein zweiter Blick.

Was wäre, wenn Ihre Stellenanzeige ein Jetski wäre?

Nicht im Sinne von: absurd und unlesbar. Sondern im Sinne von: so überraschend konkret, so unerwarteter ehrlich, so verblüffend anders formuliert, dass die richtigen Menschen stutzen. Dass sie den Daumen anhalten. Dass sie denken: “Die meinen das ernst.”

Das ist kein Hexenwerk. Und es braucht heute auch keinen Kreativdirektor mit einem Jahresgehalt im sechsstelligen Bereich mehr. Es braucht jemanden, der versteht, wie man KI-Tools so promptet, dass sie nicht den 30. Aufguss einer Standard-Stellenanzeige produzieren – sondern Varianten, die testen, polarisieren, überraschen. A/B-Tests für Headlines. Tonalitäten, die zur Unternehmenskultur passen statt zum HR-Handbuch.

Kurz: Es braucht jemanden, der weiß, wie man einen Jetski ins Schaufenster stellt.

Und falls Sie gerade jemanden suchen, der genau das kann – für Ihr Marketing, Ihr Employer Branding, Ihre Automatisierungsstrecken – dann wissen Sie ja jetzt, wie Sie ihn oder sie erkennen: Nicht an der längsten Bewerbungsmappe. Sondern daran, dass er oder sie schon mal einen Jetski geparkt hat, wo eigentlich keiner hingehört.

Ich zum Beispiel.