Published_ 29. April 2026
Ich werde jetzt Popstar
Mein Alltagsassistent Gemini meinte kürzlich „Hey, probier doch mal unsere neueste Funktion der Musikgenerierung kostenlos aus – schreibe deine neue Lieblingsmusik“. Ich bin neugierig genug, der Idee eine Chance zu geben, gleichzeitig sind meine musikalischen Fähigkeiten stabil auf einem sehr niedrigem Niveau.
Weil ich inzwischen aber einigermaßen gewitzt beim Prompten bin, habe ich den folgenden Prompt verfasst, der in meinen Nicht-Musiker-Ohren technisch versiert genug klingt, dass ein vorzeigbares Ergebnis erwartbar war:
Indie blues, slow-burning, melancholic and cinematic. Fingerpicked acoustic guitar as the lead voice, second guitar with tremolo picking and slight reverb, creating a shimmering, icy texture. Upright bass, sparse jazz-inflected drumming with brushes. Minor key, introspective mood, late-night atmosphere. Loose and organic arrangement, subtle dynamics, breathing space between the instruments. Lo-fi warmth, analog feel. Tempo around 70–80 BPM.
Das sah gut aus. Eine Skizze über den Stil, die Stimmung des Stücks, die Instrumentierung mit zwei Gitarren, einer Bassgitarre, pinselig bedientem Schlagzeug. Moll-Akkorde, gezupfte statt Plektrum-Gitarre, irgendein Reverb Effekt, Whitespace, Takt – in meinen Ohren ist das wesentlich präziser beschrieben, als ich selbst das könnte. And in english, please! Da sollte doch was gehen…
Was ich Euch hier vorenthalte ist das extrem langweilige Ergebnis. Nicht weil ich meinen musikalischen Geschmack über den Fähigkeiten einer LLM verorte, sondern weil der Song, an den ich ursprünglich gedacht hatte, mir soviel bedeutet, dass das Ergebnis wie eine Verspottung der von mir verehrten Band gleichkam.
Neugierig? Dann gebt dem Song eine Chance: Ice Guitars von Moondog Jr. Ein wunderschön bluesiger Track, nicht mehr taufrisch, und einer von erstaunlich wenigen Songs, die mir auf die Frage nach meiner Lieblingsmucke seit Jahrzehnten einfällt.
Werden wir jetzt alle Künstler? oder Ist das die letzte geniale Melodie?
Johannes Brahms soll mit einem Freund am Strand spazieren gegangen sein, der klagte, alle gute Musik sei bereits geschrieben worden — worauf Brahms auf das Meer zeigte und sagte: „Da kommt die letzte Welle.“
Klar, mein Ergebnis ist ohne empirischen Wert. Genauso wie meine Versuche, mich bildnerisch oder schreiberisch kreativ zu entwickeln mithilfe von Artificial Intelligence nur für mich individuell stimmen können.
Es gibt jedoch eine Erkenntnis, die ein paar Zeilen mehr wert sind. Und die besteht darin, dass LLMs an vielen Orten hilfreich und nützlich sind, die auf den ersten Blick kreativ scheinen. Und das ist ein Grund für unsere Faszination. Maschinen, egal wie entwickelt diese sind, waren immer Hilfsmittel dort, wo es körperlich gefährlich, unmöglich oder enervierend langweilig für Menschen wird. Maschinen sind auch Ausweis für menschliche Kreativität und Schaffenskraft.
Und natürlich sind AI-ChatBots in diesem Sinn auch Maschinen. Was sich geändert hat, ist unsere Rezeption. Einen ChatBot zu bedienen fühlt sich anders ans als einen Winkelschleifer, eine Schreibmaschine, eine Hebebühne: eher wie Büro-Arbeit, oder auch wie Freizeit. Seit der Verfügbarkeit von LLM ChatBots werden diese intensiv genutzt in Bereichen, die davor gemeinhin als zutiefst menschlich galten. Musik komponieren, Bilder erzeugen, Texte verfassen.
Was hat sich geändert?
Der Durchbruch der LLMs gelang wegen der Fähigkeit dieser Sprachmodelle, sinnvolle Worte aneinander zu reihen. Und das so schnell, so leicht und so plausibel, dass der Eindruck entstand: hier schreibt ein als Maschine verkleideter Mensch. Die Verblüffung und Faszination entstand aus der a) allgemeinen Fähigkeit und b) Prozessgeschwindigkeit.
Natürlich „schreibt“ ein Modell keinen Text und komponiert auch keine Noten. Es berechnet aus dem Prompt statistische Wahrscheinlichkeiten für mögliche Fortsetzungen und wählt daraus, mit eingebautem Zufallsanteil, das nächste Token. Das macht Outputs variabel, aber nie wirklich originär. Variieren wir den Prompt um ein Synonym oder in seiner Syntax, wird die „Antwort“ des LLM anders.
Menschen lieben sinnvolle Erzählungen.
Und die sinnvolle Erzählung in der Interaktion zwischen Menschen und KI lautet:
Ich gebe einen Auftrag, und die KI führt ihn aus.
Dinge, die wir dabei vergessen: Eine AI wird auf Basis von Trainingsdaten entwickelt. Im Konzept einer Artificial Intelligence findet sich zentral die Sammlung von Informationen und deren statistische Auswertung. Und im individuellen Umgang mit einem Chatbot ist der Chatverlauf jedesmal eine Ergänzung zu den Trainingsdaten. Alles summiert sich zu einer datengetriebenen Durchschnittlichkeit, die – gut als Song oder Bild oder E-Mail getarnt – als Ergebnis ausgegeben wird.
Wir sehen, dass die KI unseren Auftrag zu 80, 90 oder 99% erfüllt. Und das ist viel mehr, als wir erwarten können bei so ungenauen Aufträgen, wie wir sie gern formulieren. Gleichzeitig ist das Ergebnis bei genauerer Betrachtung auch viel weniger, als denkbar wäre. Viel mehr in dem Sinn, dass der Output nicht falsch klingt, und viel weniger in dem Sinn, dass der Output naturgemäß nicht kreativ ist.

Was ist Kreativität?
Ich bezeichne mich gern als Ex-Gestalter, weil ich viel Aufwand in meiner beruflichen Karriere darauf verwendet habe, Informationen visuell ansprechend publizierbar zu machen. Deswegen wird mir gelegentlich vorgeworfen, „zu kreativ“ zu denken. Ein guter Grund, den Begriff abzustecken:
Kreativität bedeutet nicht,
- eine Überschrift zentriert oder mittig auszurichten,
- einen C-, einen F- und einen G-Akkord auf einem Instrument zu kombinieren,
- auf einem Klappstuhl in der Fußgängerzone sitzend witzige Portraits von Passanten zu zeichnen oder
- per Dall-E ein Bild ausgeben zu lassen.
Kreativ ist viel eher
- die Polizistin, die bei einem Unfall mit Blechschaden die Beteiligten so positioniert, dass kein Streit ausbricht,
- der Reinigungsfachmann, der aus seinem Erscheinen am Arbeitsplatz durch das Pfeifen einer Melodie ein wiederkehrendes Event für die Kollegen macht oder
- das Creative Writing Team, das gleichzeitig ein Dokument mit mehreren Strängen ausarbeitet und am Ende die beste Story gewinnen lässt.
Der Einsatz von KI nimmt rapide zu, die Kritik daran bemisst sich derzeit leider meist in Nichtigkeiten. Dass maschinenerzeugter Inhalt wirklich schwach im Ausdruck ist, findet wenig Beachtung. Und dabei ist es natürlich amüsant, solche Systeme zu testen.
Gibt es einen „richtigen“ Einsatz?
Unbedingt, und ich bin sehr dankbar für die Ermächtigung durch LLM. Ich habe kürzlich einem befreundeten Unternehmer erzählt, dass ich seit kurzem meine Website per GitHub deploye – wo ich vor drei Monaten weder verstand, was GitHub ist noch was Deployment bedeutet. Er stieg sofort darauf ein, denn er hat eine sehr ähnliche Entwicklung durchgemacht und erzählte mir von seinem ersten Repository auf GitHub und wie wertvoll es für ihn ist, dass er heute Techniken ausprobieren kann, für die früher ein langatmiger Prozess mit einem teuren Dienstleister nötig war.
Wenn wir uns also heute weniger auf die Richtigkeit von KI-Antworten verlassen und dafür mehr auf die Dienstleistung, die uns KI anbietet, dann können wir unserer Kreativität Flüüüügel verleihen.
Beispiel 1: Hands on statt Unterricht
Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht etwas Neues erfahre. Bis vor kurzem konnte ich entweder darauf vertrauen, es per Google und Wikipedia kontrollieren oder verwerfen. Dank KI bin ich heute in der Lage, so gut wie jede Information aus den unterschiedlichsten Winkeln zu betrachten, vertiefen oder so aufzuschlüsseln, dass ich die Neuigkeit auf mein Niveau herunterbreche.
Und mit dem Lernvorgang einher spaziert gelegentlich eine kreative Idee.
Beispiel 2: Ideen-Booster
Im Arbeitsalltag begegnen mir immer wieder Prozesse, die ich anstrengend oder unverständlich finde. Was mir früher lästig und unumgänglich erschien, kann ich heute gegen Alternativen abgleichen, indem ich LLM die Situation schildere. Es gibt nur selten einzigartige Konstellationen, und daher wird eine KI auch immer Vorschläge finden, wie sich solche Prozesse anders gestalten lassen.
„Nenne mir fünf andere Methoden, die weniger anstrengend sind“ bewirkt oft wahre Wunder.
Beispiel 3: Recherche-Assistenz
„Erstelle dein Pixel im Events Manager und richte den Basis-Code auf deiner Website ein.“ In solchen Situationen war früher angesagt, ein Ticket an die IT zu schreiben. Was wir uns heute sparen können. Solche freigeschaufelten Kapazitäten können – je mehr Menschen partizipieren – Raum für echte Innovationen schaffen.
Denn wo uns allen lästige Daily Tasks abgenommen werden, bleibt mehr Zeit, um große Projekte strategisch und kompakt anzugehen.
Wie immer gilt auch hier: suchst du jemand, der strategisch, kreativ und progressiv Marketing betreiben kann und möchte? Dann ruf mich an oder schreib über das unten angebotene Formular. Ich antworte immer.