Design Thinking

Design Thinking als Geheimwaffe gegen digitale Verschwendung

Design Thinking klingt oft nach teurem Buzzword-Bullshit. Bis man über eine unscheinbare Holzkiste in einem Ladengeschäft der Augsburger Fußgängerzone stolpert.

You can’t judge a book by its cover

Ich bilde mich zur Zeit umfassend fort. Die ersten beiden Module, „KI im Projektmanagement“ und „Digitale Transformation in KMU“ habe ich erfolgreich abgeschlossen, jetzt freu ich mich auf den Start von „Design Thinking“. Und ja: ich weiß, wie sehr das nach BuzzWord-Bullshit klingt.

Ist doch ein alter Hut, Design Thinking bringt eh nix

Dazu eine kleine Geschichte. Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum an einer Buchhandlung vorbeilaufen kann. Und das liegt unter anderem daran, dass ich vor Urzeiten mal eine Ausbildung zum Schriftsetzer absolviert habe. (Wussten Sie, dass Ernst Jandl und ich damit Kollegen sind? #Wurm). Ob ich kaufe oder nicht, schon das gemütliche „Regal-Hopping“ macht mich glücklich. Heute war ich eigentlich auf dem Weg zu einem Termin, hatte aber noch etwas Zeit und bin deshalb in die Thalia Buchhandlung in Augsburgs Fußgängerzone spaziert. Um dort über diese Kiste zu stolpern:

Beschreibung

Ich hatte nicht vor, ein Buch zu kaufen. Habe ich dann aber doch. Und beim Bezahlen fragte ich die Mitarbeiterin, wer denn auf diese geniale Idee mit der Kiste gekommen sei. Sie mutmaßte Auszubildende hinter der Aktion, war sich aber nicht sicher. Hoffentlich richtet sie mein allerherzlichstes Lob an die Urheber:Innen aus.

Schauen wir uns das Ganze mal durch die Business-Brille an:

Für mich steht diese fast schon etwas traurig anmutende und hemdsärmelig gebastelte Kiste aus vielen Gründen für progressives Handeln par excellence, stellt sie doch ein perfektes Beispiel für gelungenes Design Thinking dar.

Versetzen wir uns in die Rolle einer Geschäftsführung besagter Buchhandlung. Ihr Hauptinteresse ist der Verkauf möglichst vieler Produkte. Ihre Kundschaft sind Personen, die Interesse an Lektüre haben. Ihre Produkte sind gedruckte Waren sowie angrenzende, erweiterte, skalierte Produkte. Kaufmotivationen sind unter anderem Interesse, Neugier, Geschenkbedarf.

Wettbewerb gibt es genug: alternative stationäre Buchhandlungen, der hauseigene Online-Shop, ein US-Big Tech Unternehmen, das als Buchhandlung begann.

Und die Laufkundschaft in solchen Lagen ist nicht leicht zu halten: da gibt es Familien, die in der Kinderabteilung von einer kunterbunten Attraktion zur nächsten springen und am Ende ohne Kauf das Haus verlassen, Flaneure, die die beheizte Abkürzung zwischen zwei Ladenstraßen nehmen, Last-Minute-Geschenkesuchende, die sich beraten lassen wollen, Zeitungskäufer, Schulkinder, Rollatorennutzer, Rudeljugendliche, … die Liste ist beliebig erweiterbar.

Klar, dass auch die Lieferanten sich Gedanken um den Absatz ihrer Produkte machen und mit POS-Optimierungen um wertvolle Fläche buhlen. Dazu kommen

  • Brandschutz,
  • Laufweg-Optimierung,
  • Self-Checkout-Kassen,
  • Beratungsinseln,
  • Aufzugschächte,
  • ein Laden-Café,
  • Sitzgelegenheiten.

Eine ganz schöne Menge an Anforderungen und Möglichkeiten. Und mittendrin diese unscheinbare Holzkiste voller Bücher, die in einfaches Packpapier eingeschlagen sind. Von Hand leicht kryptisch beschriftet, auf der Rückseite ein EAN-Code und ein Preis-Etikett, sonst nichts. Kein Autor, kein fancy gestaltetes Buchcover, kein Logo, nicht mal ein Spiegel-Bestseller-Sticker.

Beschreibung

Und natürlich ist klar: aufreißen gilt nicht. Für einen neugierigen Menschen wie mich, der (nur ein kleines bisschen) getriggert wird durch die Aufschrift „Gott ist sauer“ und „Für Leser von ‚Die Bibel nach Biff‘“ ist es physisch unmöglich, die Katze nicht im Sack zu kaufen.

Was ich daran so genial finde? Dass mit so einfachen Mitteln bewiesen wurde: der gesamte bekannte Kaufprozess ist mit etwas Packpapier und Buntstiften runderneuert.

Für alle, die den Satz lieben „Das haben wir immer schon so gemacht“ muss sich das anfühlen wie eine Ohrfeige. Für Unterstützer des Design Thinking Ansatzes ein geniales Beispiel, warum der Blick auf den Menschen im Zentrum so wertvoll ist. Keine zwei Menschen sind gleich, und wenn ich den Einzelnen in den Fokus nehme, brauche ich fast kein Investment, um einen neuen Kunden zu gewinnen.

Wenn Sie jetzt auch Lust haben, mal so richtig out of the box zu versuchen, dann kontaktieren Sie mich. Gemeinsam springen wir raus aus Ihrer Kiste!

P.S.: ich verrate Ihnen dann auch, welches Buch ich bekommen habe.